Fußball

Artikelserie zum Vereinsjubiläum: (1) - 10.1.21: Das heilige Trapez


In 2023 wird der VfR 100 Jahre alt.  In den zwei Jahren bis zum Jubiläum wollen wir an dieser Stelle (und auf der Homepage des VfR
: vfr-umkirch.de) in regelmäßigen Abständen ein Schlaglicht auf eine Geschichte aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder gar der Zukunft des Vereins legen. Erwartet kleine Berichte zu Erfolgen und Pleiten, Monumentalem und Klitzekleinem, Bierernstem und Lustigem, die hoffentlich die Vorfreude schüren und eventuell sogar unterhalten könnten.

10.1.21 - Das heilige Trapez

(Hoffentlich) mitten im zweiten Corona-Lockdown packte mich auf einmal die Sehnsucht, einen alten Freund zu besuchen, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Also streifte ich die Jacke über, zog die alten Schuhe an, die dreckig werden können und machte mich auf den Weg.  “Wie kann er nur?” werden sie nun vielleicht denken. Aber keine Sorge, bei diesem Freund handelt es sich nicht um einen Menschen und es ist auch kein Risikogebiet, außer vielleicht für die Abwehrreihen der Kreisligamannschaften aus dem Bezirk Freiburg.

Ich spreche natürlich vom Umkircher Hartplatz. Still und überwuchert lag er da an diesem Sonntagmorgen, in einer Zeit der Kunstrasen wie aus der Zeit gefallen. Zum Horror aller Mathematiklehrer gelegentlich als Raute bezeichnet oder als “die Asche”, aber meist als “das heilige Trapez”. Viele der älteren Spieler (ich kann nicht für diese Jungspunde aus der ersten Mannschaft sprechen) des VfR lieben den Platz, dabei ist er viel zu klein und unförmig, eine Seite breiter als die andere, die 16er-Linien fast identisch mit der Auslinie. Er ist überwachsen und überwuchert mit mysteriösen Pflanzen und bei Regen wird er so seifig, dass es während des Spiels regelmäßig zu Slapstick-Einlagen kommt. 

Und doch diese Liebe zu diesem Platz. Fragt man die Spieler selbst, so hört man Aussagen wie: “Die Gegner kommen darauf nicht zurecht”, oder “Mit unserer schlechten Kondition passt der einfach besser zu uns”. Ich schätze, das stimmt auch. Belegen kann ich es nicht, aber ich würde annehmen, dass die Ergebnisse auf dem Platz überdurchschnittlich gut sind. Nicht umsonst sagen die Spieler, wenn ein schwieriger Gegner ansteht: “Die müssen wir auf den Hartplatz zwingen.”

Aber das kann ja doch nicht alles sein. Zu diesem strategischen Vorteil, den der Platz mitbringt, gesellt sich noch ein anderer Umstand, der mir viel wichtiger scheint. Die Liebe für den Platz speist sich aus einer tieferen Quelle. In all seiner vermatschten Hässlichkeit ist er ein Überbleibsel einer früheren Kreisliga, die Linien mit Sägespänen gestreut, den Spieler mit den bunten Fußballschuhen und der 10 umgegrätscht. Entsprechend macht es Sinn, dass es meistens die älteren Spieler sind, die den Platz besonders mögen. Ein Ort der Nostalgie und des Erfolgs also, zu dem jeder seine eigene Geschichte zu erzählen hat. Vielleicht auch, gerade weil er keine der Kriterien für einen modernen Fußballplatz erfüllt. 

Also, geheiligter Hartplatz: Mögest du uns noch bei vielen eisigen Trainingseinheiten im Winter beistehen und mögest du uns noch viele Siege über Gegner ermöglichen, die eigentlich zwei Klassen besser sind. Und selbst wenn dich dereinst ein Kunstrasenplatz ersetzen könnte, dann sei dir versichert, dass du in den Herzen und Geschichten der Spieler weiterleben wirst.