Fußball

Artikelserie zum Vereinsjubiläum: (2) - 30.11.03: Das Wunder von Umkirch

In 2023 wird der VfR 100 Jahre alt.  In den zwei Jahren bis zum Jubiläum wollen wir an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen ein Schlaglicht auf eine Geschichte aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder gar der Zukunft des Vereins legen. Erwartet kleine Berichte zu Erfolgen und Pleiten, Monumentalem und Klitzekleinem, Bierernstem und Lustigem, die hoffentlich die Vorfreude schüren und eventuell sogar unterhalten könnten.

30.11.2003: Das Wunder vonUmkirch

Nur das Positive für diese Artikel herauspicken? Das kann ja jeder. Deshalb erzähle ich heute von einer der sportlich schwärzesten Stunden der letzten zwei Jahrzehnte. Ein Ereignis, das es sogar in die überregionalen Medien schaffte und in den Archiven einiger bekannter Zeitschriften und Zeitungen noch heute ein peinliches Schlaglicht auf den Verein wirft. Manche Spieler der damaligen Mannschaft beteuern rückblickend und fast erleichtert: "Also, ich war da ja verletzt."

Am 30.11.2003 verlor der VfR im heimischen Stadion gegen den SV Bombach mit 2:3-Toren. Erst einmal nichts Weltbewegendes, hätte der Gegner nicht zuvor vier Jahre lang kein Spiel mehr gewonnen gehabt. Die Leistung des Teams? Ein sportlicher Offenbarungseid sondergleichen, unterirdisch in einer sowieso schon verkorksten Saison. Ich sollte es wissen, ich stand auf dem Platz.

Die vierjährige Durstrecke der Bombacher war es auch gewesen, die die WELT und den Kicker Anfang November 2003 auf den Verein aufmerksam machte. Der ganze Medientrubel ließ natürlich auch den VfR nicht kalt. "Habt ihr Angst?" fragte der Spielführer Bombachs vor der Partie in eine Runde Umkircher. Die traurige Wahrheit: Ja, da war wohl eine ganze Menge Angst. Der Spielführer schoss später zwei Tore.

Dabei hatte die Saison vielversprechend begonnen. Mit einem 6:0-Sieg über Bombach. Nach einem weiteren Auswärtserfolg in Oberrotweil stand man nach zwei Spieltagen sogar an der Tabellenspitze und wurde als Aufstiegskandidat gehandelt. Danach ging es stetig bergab. Und als im November dann Bombach zum Rückspiel anreiste, da hatte man selbst seit Monaten keinen Punkt mehr geholt. Die Beine zitterten. Der Trainer der Bombacher an diesem verhängnisvollen Novembermittag war Aldo Caporale. Sieben Jahre später würde sein kleiner Bruder Angelo den VfR als Teil eines Trainer-Duos zum Aufstieg in die Kreisliga A führen. Doch an diesem Nachmittag hatte die Familie Caporale nur Pein und Trauer für den Verein im Gepäck.

“Wie war das Spiel”, fragt ihr mich? Ehrlich gesagt und obwohl ich auf dem Platz stand, kann ich mich kaum mehr daran erinnern. Verdrängung, vielleicht? Manche Fetzen sind jedoch erhalten geblieben. Ich meine, wir lagen in Führung, spielten daraufhin arrogant und schenkten das Spiel her. Ich bilde mir ein, es war eine unverdiente Niederlage. Die BZ ist in ihrem heute noch zugänglichen Bericht anderer Meinung. Ich kann mich daran erinnern, nach dem Spiel auf dem Platz gesessen zu sein und gesehen zu haben, wie andere voller Schmach in die Kabine sprinteten. Ich sehe vor meinem geistigen Auge Gegner jubeln und ich glaube, für manche Umkircher war es der Anfang vom Ende ihrer Fußballkarriere. Was soll man nach so einer Niederlage auch noch groß erreichen?

Na ja, ein paar leidgeprüfte Überbleibsel gab es dann doch noch und wie es so oft ist, das nächste Spiel gewann der VfR gegen den SC Holzhausen mit 3:2. Und wo wohl? Auf dem Hartplatz, natürlich.